Chronik

Chronologie des Raesfelder Karnevals — von den Nachbarschaftsfesten bis zum Rosenmontagszug.

Meilensteine

  1. 1867

    Letzte Fastnacht der Freiheiter Nachbarschaft

    Ab den Fastnachtstagen findet das vierzigstündige Gebet statt. Im Juli folgt das erste Schützenfest.

  2. 1953

    Närrisches Kaffeekränzchen in der Brökerstegge

    Kriegswitwe Käthe Heyng lädt Nachbarfrauen — der Karneval kehrt leise nach Raesfeld zurück.

  3. 1954

    Erstes Kappenfest der Sängerlust

    Männergesangverein startet das Fest des Jahres für die Raesfelder Narren.

  4. 1963

    Erstes Prinzenpaar der Brökerstegge

    Alois Elsner und Lene Gesing — noch ohne Sitzungskarneval und ohne Zug.

  5. 1969

    Erste große Narrensitzung

    Lehrer Gerd Fischer leitet die Sitzung im Saal Tiegler — Beginn einer neuen Ära.

  6. 1970

    Erstes Raesfelder Prinzenpaar (SGV)

    Prinz Franz I. (Nießing) und Prinzessin Hilde I. (Ostendorf) geben ihr Debüt.

  7. 1971

    Kleiner Umzug am Schwanenhof

    Nachbarschaft organisiert einen Kinderumzug — Keimzelle des Straßenkarnevals.

  8. 1973

    Erster Rosenmontagszug

    Geburtsstunde des RRZ. Gründer und Zug-Koordinator: Hermann Tünte. Kinderprinzenwagen: Norbert Nagel und Petra Gesing.

  9. 1974

    Schon 22 Wagen

    22 große Wagen, ebenso viele Fußgruppen, sechs Musikgruppen — 1,5 km Umzug.

  10. 1990

    Eintrag als eingetragener Verein

    Raesfelder Rosenmontagszug e. V. im Vereinsregister (VR 3524, AG Borken). Die Tradition zählt weiter ab 1973.

  11. 2015

    42. Rosenmontagszug

    Rund 1000 Beteiligte begeistern das Dorf — der Zug bleibt Publikumsmagnet.

  12. 2016

    Chronik Bröker

    Heinz Bröker schließt seinen Text ab („hbr.12/16“). Fortschreibung danach aus Presse und Vereinsberichten.

  13. 2017

    44. Rosenmontagszug

    Jubiläumszug — der Straßenkarneval läuft und läuft.

  14. 2021

    Online-Rosenmontagszug

    Wegen Corona fällt der Umzug aus. Der RRZ organisiert einen Online-Zug — tausende Aufrufe.

  15. 2022

    Vorgarten-Umzug

    Erneut kein Straßenumzug. Mit Luis I. und Carla I. werden Vorgärten und Eingänge bunt geschmückt und prämiert.

  16. 2023

    50 Jahre RRZ

    Goldenes Jubiläum. Die Wagenbaugemeinschaft Brökerstegge ist seit der Premiere 1973 ununterbrochen dabei.

  17. 2026

    Motto, Route und Sicherheit

    Mundart-Motto Christian Brökers, bewährte Strecke mit Familienzone, enge Abstimmung mit Polizei, Ordnungsamt, DRK und Feuerwehr.

Chronologie des Raesfelder Karnevals

von Heinz Bröker

Schon vor mehr als 150 Jahren wurde in Raesfeld Karneval gefeiert.

Die alten Nachbarschaftsfeste

Bericht von Adalbert Friedrich, in der Festschrift: 100 Jahre Allgemeiner St. Johannis Bürgerschützenverein Raesfeld. 1867 – 1967

Pastor Pentrup, der am 12. Dezember 1815 in Lüdinghausen geboren wurde, war nach seiner Priesterweihe 22 Jahre als Kaplan in Ahaus tätig und wurde nach dieser Zeit, im Jahr 1864, Pfarrer von Raesfeld.

Zu den seelsorgerischen Aufgaben, die sich der neue Pfarrer stellte, gehörte sicherlich auch, den Auswüchsen der jährlich stattfindenden Fastnachtfeiern, dem überaus großen Verzehr an alkoholischen Getränken, zu begegnen. Die Fastnachtsfeiern im Dorf, in der Schlossfreiheit, auf dem Brink und in den anderen Hööken, waren die jährlichen Nachbarschaftsfeste. An diesen drei „dullen Dagen“ ging es hoch her, und zum Scherzen und zum Spaßen waren selbst die Alten aufgelegt. Am Fastnachtsmontag zogen lärmende Scharen von Haus zu Haus, um die beste Mettwurst, wenn es notwendig war, mit Hilfe der Stall-Laterne, hinter dem „Boosenkleid“ aus der „Fieme“ zu holen.

Die Freiheiter Nachbarschaft feierte am 27. Februar 1867 zum letzten Mal an den Fastnachtstagen. Der Karneval war ab dem Jahr Vergangenheit. An den Tagen vor Aschermittwoch fand jetzt das vierzigstündige Gebet statt. Am Montag, dem 22. Juli 1867, ruhte auf den Feldern und in den Handwerksstuben die Arbeit. Es war der Tag des ersten Schützenfestes.

Rückkehr in den 1950er Jahren

In den fünfziger Jahren kehrt der Karneval nach Raesfeld zurück.

Rosenmontag, 16. Februar 1953: Kriegerwitwe Käthe Heyng, eine rheinische Fronatur, gebürtig aus Köln, wohnte als Untermieterin im Haus von Hermann und Paula Höing in der Brökerstegge. Sie hatte die Nachbarfrauen zum Kaffeekränzchen geladen. Selbst gemachter Likör und einfacher Wermutwein machte die Runde. Bunte Papierservietten wurden ins Haar gebunden und es wurde gesungen und geschunkelt.

Im Jahr 1956 kamen dann die Männer dazu. Das erste Prinzenpaar in der Brökerstegge wurde mit Alois Elsner und Lene Gesing im Jahre 1963 gekürt — in einer Zeit, als es noch keinen Sitzungskarneval und auch noch keinen Rosenmontagszug gab.

Im Februar 1954 startet der Männergesangverein Sängerlust Raesfeld sein erstes Kappenfest. Bis Karneval 1969 ist es das Fest des Jahres für die Raesfelder Narren. Gaststätte Böcker, Op de Breede, kündigt am 10. Februar 1961 mit einer Zeitungsanzeige „Karneval in Raesfeld“ an.

Zeitungsausschnitt bzw. Anzeige: Karneval in Raesfeld 1961
Karneval in Raesfeld — 1961

Als 1973 der erste Rosenmontagszug startete, war die Brökerstegge sofort dabei und hat bis heute, ohne Unterbrechung, mit einem Motivwagen teilgenommen.

Sitzungskarneval ab 1969

Am Sonntag, 8. Februar 1969, startete die erste große öffentliche Narrensitzung im Saal Tiegler. Initiator war Lehrer Gerd Fischer. Mit diesem Abend begann eine neue Ära im Raesfelder Karneval.

Ein Jahr später, am Samstag, 27. Februar 1970, fand die erste große karnevalistische Gemeinschaftssitzung statt. Das erste Raesfelder Prinzenpaar, Prinz Franz I. (Nießing) und Prinzessin Hilde I. (Ostendorf), gaben an dem Abend ein glänzendes Debüt.

Mit der Gemeinschaftsveranstaltung von TSV und Männergesangverein war der SGV gegründet, der heute als RCV den Sitzungskarneval weiterführt.

Geburtsstunde des RRZ — 1973

Rosenmontag, 5. März 1973 — die Geburtsstunde des Raesfelder Straßenkarnevals.

„Vom Schwanenhof wurde er gegründet, jetzt hat’s im ganzen Dorf gezündet“ — so hätte das Motto des ersten Zuges heißen können. Denn bereits 1971 begann die Nachbarschaft am Schwanenhof mit einem ganz kleinen Umzug. Zur Freude der Kinder.

Zug-Koordinator und Gründer des RRZ, Hermann Tünte, war mit der Beteiligung mehr als zufrieden. Auf dem Kinderprinzenwagen residierten Norbert Nagel und Petra Gesing. Das Prinzenpaar des SGV, Willi Hoffmann und Hanne Gudel, warfen Bonbons aus dem offenen, knallig gelben VW-Cabrio.

Porträt Hermann Tünte, Gründer des RRZ
Hermann Tünte — Gründer und Zug-Koordinator

1974 — schon ein Magnet

Rosenmontag, 25. Februar 1974: 22 große närrische Wagen, ebenso viele Fußgruppen und sechs Musikgruppen begleiteten den 1,5 km langen Umzug. Was drei Jahre zuvor klein begann, war binnen kurzer Zeit zu einem Publikumsmagnet geworden.

Und er läuft …

2017 wurde der RRZ karnevalistische 44 Jahre. Halten wir es mit einer Autowerbung aus den 1950er Jahren:

Er läuft, und läuft, und läuft…

— hbr. 12/16

Fortschreibung nach 2016

Der erzählende Bröker-Text endet 2016. Die Meilensteine oben setzen die Linie fort — aus Vereinsmeldungen und lokaler Berichterstattung (u. a. Heimatreport, Borkener Zeitung, Dorstener Zeitung): e. V.-Eintrag 1990, Jubiläums-Züge, die Corona-Jahre mit Online-Zug (2021) und Vorgarten-Umzug (2022), das 50-jährige Bestehen 2023 sowie Route und Sicherheitskonzept 2026.

Was noch fehlt: Eine durchgängige Erzählung der Jahre 1975–2009 (Zug für Zug, Mottos, Vorstände) liegt im öffentlichen Netz kaum vor. Ebenso unvollständig sind einzelne Einträge der Prinzenpaargalerie — besonders 2003–2006. Wer Zeitungsschnipsel, Vereinshefte oder Tafel-Korrekturen hat: bitte an Kontakt — wir pflegen die Chronik und die Galerie gerne nach.

Mehr Links zu aktuellen Berichten: Presse.